Von Porto Santo nach Funchal

Nachdem wir die 474 sm die Tage vorher hinter uns hatten, kam uns die Strecke vom 37 sm nach Funchal wie ein Kinderspiel vor. Diesen Morgen nahmen wir uns Zeit und liefen erst 11:00 mit halben Wind und guten Segelbedingungen aus. Gegen 16:30 kamen wir in Funchal an, jedoch war die Lage mit unserem Liegeplatz ungeklärt. Jiri telefonierte mit dem Hafenmeister und ein junger Mann auf dem Fahrrad kam uns in wilder Fahrt entgegen, um uns die Kaimauer als Festmacher zuzuweisen. Alle Schwimmstege waren belegt und wir mußten uns glücklich schätzen, in diesem Hafen, der Hauptstadt von Madeira, liegen bleiben zu dürfen. Das Problem war nur, der Tidenhub betrug 2 m, was das Ein- und Aussteigen etwas schwierig machte und wir mußten die Ebbe an Bord abwarten, um zu sehen, dass unsere Leinen ausreichend lang befestigt waren. So verbrachten wir den ersten Abend an Bord. Der Blick über die Stadt mit ihren 1000 Lichtern entschädigte uns für das verschobene Abendessen im Restaurant.
Jiri mietete für 3 Tage ein Auto und ich konnte mit angehaltenem Atem seine Fahrkünste in den Bergstraßen von Madeira bewundern. Noch nie bin ich so viel bergauf und bergab gefahren, habe so unsagbare Steigungen und Kurven erlebt, wie in diesen Tagen und das Schärfste war, an jedem Hang und in jeder Kurve klebten dicht an der Straße die Häuser, die man parterre betreten kann, aber das ist in Wirklichkeit der vierte Stock, von unten betrachtet. Nur wenige Häuser, die nur schwierig mit dem Auto zu erreichen sind, waren verlassen. Alle anderen sind neu oder in einem sehr guten Zustand. An den steilen Hängen wurden vor Jahrhunderten Terrassen angelegt, auf denen noch heute Bananen oder Wein angebaut wird. Das Wasser wird in 2.400 km langen Levadas vom Berg über die ganze Insel ins Tal geführt und Bewässerungsanlagen und Zisternen sorgen für regelmäßige Bewässerungsmöglichkeiten.
Neben den gut gepflegten Bergstraßen gibt es auch quer über die Insel eine Autobahn, die mit gewaltigen Brückenkonstruktionen die kilometertiefen Schluchten überwinden. So erreichten wir auch die zweit höchste Klippe Europas Cabo Girau. Für Mutige gibt es eine Glasplattform auf der man stehend, die Tiefe von 550 m bis hinunter zum Meer bewundern kann.
Auf den Monte kann man mit einer Seilbahn, wie sie beim Wintersport üblich ist, hochfahren. Wir haben beim Einsteigen unwillkürlich die Ski vermißt. Nachdem wir die Kirche dort besucht hatten, sind wir mit einer Art Schlitten aus Weidenkorb geflochten und mit Holzkufen versehen, von 2 Männern in weißen Hemden und Hosen, die weiche Stiefel zum Schutz ihrer Füße tragen, die kurvenreiche und steile Bergstraße hinuntergefahren. Teils wird man von ihnen gezogen und teils stehen sie auf den Kuven und schupsen mit einem Bein ab. Seit der Jahrhundertwende mit beginnendem Tourismus ist das eine alte Tradition.
Am Freitag gab es in Funchal 2 große Wettkämpfe. Einmal fand ein Triatlon statt und dann gab es einen Maraton von Funchal aus startend zu dem zweit höchsten Berg den Pico Aviero. Uns bleibt es ein Rätsel, wie man bei diesen sommerlichen Temperaturen und den Steigungen überhaupt laufen kann. Ich kann nur sagen, Madeira ist  eine wunderschöne Insel und eine Reise wert.       

Von Sines nach Porto Santo

Am 17.09.17 lag die längste Strecke von 474sm vor uns, die wir je gesegelt sind. Jiri rechnete mit 4 – 5 Tagen auf See. Nachdem wir uns von unseren Lieben abgemeldet hatten, auf See waren wir nicht mehr erreichbar, stachen wir 8:20 in See. Leider hatten wir nur 7 kt Wind (der Atlantik meint es gut mit mir) und wir mußten den Motor zur Hilfe nehmen, um unser Ziel, dass wir mit 231 Grad ansteuerten zu erreichen. Das Wetter war herrlich, Sonne satt, ein sanftes Lüftchen und es gab nur eine leichte Dünung von dem Wind des Vortages. Ich begann auf Jiris Wunsch, Linseneintopf für die zu durchwachenden Nächte zu kochen. Mit zunehmendem Wind merkte ich vor meinem Schneidebrett stehend, wie das Rollen des Schiffes mehr und mehr zunahm, doch ich schnitt den Speck und die Zwiebeln tapfer weit und vollendete unseren Eintopf unter schwierigsten Bedingungen, denn wir konnten den Motor gegen 10:00 abstellen und der Wind steigerte sich bis auf 18 kt, in Böen hatten wir 20 kt zu verzeichnen.
Da ich die Tagschicht bei diesem Törn mit dem Kochen begann, kam mir doch der grandiose Einfall, dass Jiri die Nachtschichten übernehmen kann. Anfangs fand er meine Idee nicht sonderlich gut, aber da wir mitten auf dem Atlantik weder mit Fischern, noch deren ausgelegten Fangutensilien zu rechnen hatten, fand Jiri auch während der Nachtwache die eine oder andere Stunde schlaf.
Wir kamen am 20.09.17 um 19:07 nach 3 Tagen, 11 Stunden und 57 Minuten in Porto Santo an, einer kleinen Insel die eine typische Anlaufstelle für Boote ist, die vom Kontinent kommen. Es ist eine Miniinsel mit kleinen Dörfern, Straßen und sogar Autos. Im Hafen gab es sogar ein neues Restaurant, dessen Schiebetüren aus Glas zum Hafen hin geöffnet waren und wir bestellten und bekamen leckeren Fisch serviert. Besser konnte dieser Törn nicht enden.

 

Von Sesimbre nach Sines

Der zweite Segeltag nach unserer Pause überraschte uns mit starkem Wind. Obwohl man uns am abend beim Bezahlen unserer Liegegebühr in der Marina riet, am Freitag lieber einen Tag Pause einzulegen, beschlossen wir jedoch unsere Fahrt fortzusetzen. Nachdem Jiri nach dem Verlassen der Marina unser Groß setzte, war der Wind so stark, dass mir das Boot völlig aus dem Ruder lief. Hilflos hing ich an dem Steuerrad während unser Boot einen Radius beschrieb, den ich schon gar nicht haben wollte. Ich hatte doch vergessen, n so einer Situation mit Hilfe der Maschine die Geschwindigkeit zu erzeugen, um die notwendige Anströmung an das Ruder zu erzeugen, um den Kurs steuern zu können den ich möchte und nicht der Wind. Jiri rettete mich heldenhaft aus dieser Situation. Mit achterlichem Wind, der in der Spitze Böen von 35 kt hatte, war die Überfahrt sehr unruhig und ich hätte mir für meinen zweiten Tag zum Einsegeln etwas ruhigeres Wetter gewünscht, in etwa so, wie beim Überqueren der Biskaya. Heute hatten wir Wellen bis 3m und zum Glück hatten wir gegen 16.00 Uhr unseren Zielhafen erreicht, dem unter Wasser befindliche Brecher vorgelegart waren, die nur durch eine kleine rote Tonne gekennzeichnet waren. Wehe dem, der sie bei unsichtigem Wetter übersieht.

Die Hafenanlage und das Gebäude der Marina sowie die Straßen, die bergauf in den malerischen Ort führen, sind alle neu und die Wege werden durch angepflanzte Palmen umsäumt. In den wenigen,  kleinen Gärten blüht der Orleander und die Häuser sind geschachtelt und in Etagen an den Berg gebaut. Ich habe ja schon wieder ein kleines aber ehrwürdiges altes und verlassenes Haus entdeckt. Es hat Terrassen und Meerblick und Jiri hat mich schnell wieder daran vorbeigeführt. (Wer mich kennt, weiß auch warum, ha)

In der Mitte des Ortes, dicht an der Klippe, steht eine alte Festungsanlage und die Kirche des Ortes und auf dem Vorplatz erhebt sich die Statue von Dom Vasco da Gama. Er hat als Erster den Seeweg um das Kapp der guten Hoffnung nach Indien im 15. Jahrhundert entdeckt. Wir waren nach 18.00 Uhr vor der Kirche und sahen, wie nach und nach die äteren Frauen zum Abendgebet in die Kirche gingen. Sie waren gut frisiert und nett gekleidet, alle älteren Frauen tugen ihre Kleidung in schwarz und sie strahlten Ruhe und Zufriedenheit aus.

Wir gingen durch die schmalen Gassen und sahen ab und zu in kleine Räume, in denen sich jeweils ein Minirestaurant befand und die Tische und Stühle standen einfach auf dem kleinen Gehweg. Meistens hatten sich daran Männer versammelt, die bei einem Bier sich unterhaltend und lachend ihren Feierabend miteinander verbrachten.  Wir kamen auch an einem kleinen Lebensmittelladen vorbei, der uns zu dem fehlenden Obst verhalf. Auf dem Rückweg zur Marina begegneten wir noch schlendernden jungen Leuten, die vom Baden kommend auf dem Weg zu ihren Autos waren, nur mit einem Badetuch bedeckt. Wir  hingegen hatten schon warme Sachen an und der Wind brachte uns zum Frösteln. Holländer und Portugiesen sind uns glatt im Vorteil.

Wir verabschieden uns jetzt für 4-5 Tage, denn wir haben unseren Plan, ins Mittelmeer zu segeln dahingehend korrigiert, dass wir uns morgen gegen 8.00 Uhr in Richtung Kanaren auf den Weg machen. Wir müssen ca. 500 sm zurück legen, das ist für uns schon eine seglerische Herausforderung. Das erste Ziel wird Porto Santo sein, dort planen wir zu ankern, um am nächsten Tag Richtung Funchal aufzubrechen. Aber da melden wir uns wieder – hoffentlich …..

 

 

Von Lissabon nach Sesimbre

Nach fast 12 Wochen Segelpause sind wir wieder am 13.09.2017 von Berlin nach Lissabon zu unserem verwaisten Boot geflogen.  Die Gesundheit von Jiris Mama ist fast wieder in dem Zustand, wie wir sie damals verlassen haben. Zu ihrer Sicherheit und unserer Beruhigung wird sie jetzt von einer netten Frau in dem Haus in Navary rund um die Uhr betreut. So können wir es wagen, unseren Törn fortzusetzen.

Heute, am 14.09.2017 hieß es wieder die Leinen los! und so haben wir 9.30 mit der Flut abgelegt und sind den Tejo wieder 2sm unter Segel dem Atlantik zugesegelt. Die malerische Siluette von Lissabon lag diesmal auf der Steuerbordseite und wie in einer Wiederholung im Film, lag eine der AIDA Boote am Ufer von Lissabon und eine Zweite kam uns entgegen. Man muss es erlebt haben.

Auf der offenen See hatten wir zum Glück eine starke Briese und man glaubt es kaum, diesmal kam der Wind aus der richtigen Richtung, sodaß wir die ganze Strecke von ca. 40 sm unter Segel zurück legen konnten. Ab und an hatten wir Böen bis 22kt und mußten sogar reffen! Da fiel mir doch die Überquerung der „gefürchteten“ Biskaya ein, die bei unserer Überfahrt spiegelblank war. Da war der Törn heute kurz aber es war alles dabei. 15.30 haben wir unseren Zielhafen erreicht und  nachdem wir erfolgreich im Päckchen bei starkem Wind angelegt hatten, kam der Hafenmeister und wies uns eine so kleine Box zu, wir dachten, da passen wir von der Breite her nie rein, immerhin hat unser Boot eine Breite von 4m. Es war zwar knapp, aber wir liegen jetzt hier bei ziemlich starkem Wind.

Um dem ersten Törn nach unserer Pause einen würdigen Tagesabschluß zu verleihen, sind wir mit unseren Rädern in den 2 km entfernten kleinen Ort gefahren und haben ganz lecker Fisch gegessen. Jetzt sind wir wieder an Bord angekommen und lassen  unseren ersten Segeltag ausklingen und werden nicht so spät in unsere Kojen gehen, denn morgen ist Wind mit 28 kt. angesagt und da sollten wir ausgeschlafen sein.

Von Peniche nach Lissabon

Unsere letzte Etappe vor der Heimreise gestaltete sich unproblematisch. Kann man sich als Segler nicht die Zeit nehmen, auf den Wind zu warten, müssen wieder Motor und Segel her. Nach 73sm fanden wir in der letzten der drei Marinas von Lissabon unseren Liegeplatz für unbestimmte Zeit, der 12sm flußaufwärts am Tejo liegt. Der Fluß ist sehr breit und die Stadt zieht sich kilometerlang an dem Flußufer entlang. Wiedereinmal kam uns ein AIDA-Kreuzfahrtschiff entgegen.  Die Kirchen und  sehr alten,  mehrstöckigen Häuser sind auf einem Hügel gebaut und bilden ein unbeschreibliches Panorama. Gegen 18:00 legten wir an und ließen den Tag mit einem „Anlegebierchen“ ausklingen.

Am nächsten Morgen ging es mit dem Bus in die Altstadt. Jiri war vor 30 Jahren schon einmal hier und konnte sich an Manches erinnern. Damals gab es wesentlich weniger Besucher und so war es für ihn neu, auf die traditionelle, alte Straßenbahn 60 Minuten zu warten. Sie fuhr mit einer wahnsinnigen Geschwindigkeit die alten Straßen von Lissabon entlang. Die Fensterscheiben in der Straßenbahn gab es nicht mehr und somit war man geneigt, sich hinauszulehnen, um den Straßenzug und die oberen Etagen und Dächer der Häuser sehen zu können. Nur der Zufall stand mir bei, daß ich gerade in dem Moment meinen Kopf innerhalb des Wagens hatte, um nicht von den Zweigen einer Hecke getroffen worden zu sein, deren Schnitt die Straßenbahn regelmäßig vornahm. Die Geschwindigkeit bergauf und -ab war unglaublich(auch die Personenzahl der ständig zusteigenden Lissaboner) und mancher Bürgersteig ließ nur soviel Platz, dass eine Frau mit einem Kinderwagen nur 5 cm bis zum Wagon Platz hatte, sowie auch die Spiegel der parkenden Autos. Nach dieser Fahrt sahen wir uns die Altstadt an, fanden +in einem kleinen Restaurant mit Blick auf den Tejo einen freien Tisch, um lecker Fisch zu essen. Nachdem wir noch den Aufzug gefahren sind, den ein Student von Eifel im vergangenen Jahrhundert erbaut hatte, traten wir mit der Suche nach unserer Bushaltestelle, den Heimweg an.

Am Abend haben wir unser Schiff für den längeren Aufenthalt hier in der Marina fertig gemacht, um morgen den Heimflug anzutreten.

 

 

Segeln und Meer

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